Über 30 Jahre verbrachte Jose Mari Sagardui, genannt Gatza,in spanischen Gefängnissen. Heute wurde er entlassen. Freunde und Familie hatten ihm heute morgen um 9.00 Uhr vor dem Gefängnis in Jaén im Süden Spaniens einen emotionalen Empfang bereitet. Danach machten sie sich auf die 750 km lange Reise ins Baskenland. Twittermeldungen, die die baskische Tageszeitung GARA in ihrer Internetausgabe live einblendete, berichteten von Schikanen durch die spanische Militärpolizei Guardia Civil. Eine Stunde hielten sie den Bus in Burgos auf, bevor er ins Baskenland weiterfahren konnte und das letzte Stück der Reise nach Zornotza zurücklegte.
Gatza gilt im Baskenland als der “Mandela Europas”, der in Europa am längsten inhaftierte politische Gefangene. In einer Pressekonferenz beschrieben Vertreter von Etxerat, der Organisation der Familienangehörigen der baskischen politischen Gefangenen ihn als “Überlebenden eines grausamen Gefängnissystems”.
In den mehr als dreißig Jahren Haft verspürte Gatza alle repressiven Maßnahmen der spanischen Regierung gegen politische Gefangene am eigenen Leib, von der Zerstreuung, d.h. der häufigen Verlegung von einem Gefängnis in ein anderes, jedes davon möglichst weit vom Baskenland entfernt, bis hin zur nachträglichen Strafverlängerung, die als Parrot-Doktrin bekannt wurde, und 40 Jahre Haft ermöglicht. 21 baskische politische Gefangene, die trotz schwerer Krankheit gegen geltendes spanisches Recht nicht aus dem Gefängnis entlassen worden waren, starben in dieser Zeit.
Die spanische Polizei verhaftete ihn 1980, kurz nach der so genannten Transición, dem Übergang der Franco-Diktatur in das heutige Spanien, wo jedoch Polizei und Gerichte und vieles mehr beim alten blieb. Etxerat berichtet, dass er nach seiner Verhaftung schwer gefoltert worden war, seine Foltervorwürfe gegen die Polizei wurden ignoriert. Er wurde verurteilt und seither insgesamt 34 Mal von einem Gefängnis ins nächste verlegt. In den über dreißig Jahren war er nur zweimal kurzzeitig in der Nähe zum Baskenland inhaftiert, die anderen Gefängnisse lagen hunderte Kilometer weit von daheim entfernt. De facto eine Sippenhaft für Freunde und Familie, die Woche um Woche Stunden auf Reisen verbringen, um den Sohn oder Freund kurz zu besuchen. In 13 spanischen Gefängnissen war er bereits inhaftiert: Soria, Carabanchel, Puerto I, Herrera de la Mancha, Basauri, Alcala Meco, Sevilla II, Palma de Mallorca, Granada, Puerto II, Langraiz und Jaén.
Die baskischen politischen Gefangenen sind in Spanien und Frankreich nicht als politische Gefangene anerkannt, aber jede der vielen Sondermaßnahmen gegen die baskischen Gefangenen hat einen politischen Hintergrund. Die spanische Regierung missbraucht die Gefangenen dazu, politischen Druck auf die baskische Unabhängigkeitsbewegung auszuüben. Die normale Strafgesetzgebung erlaubt das nur bedingt, für politische Gefangene gelten daher spezielle Sondergesetze. Selbst unter strengster Auslegung “normaler” Gesetzgebung hätte Gatza im Jahr 2005, also vor sechs Jahren, entlassen werden müssen.
Heute nun war es endlich soweit. Aber die Schikanen sind nicht vorbei. Zwei Willkommensfeiern hat die spanische Regierung bereits verboten. Dabei geht die Solidarität mit Gatza im Baskenland weit über das Umfeld der linken Unabhängigkeitsbewegung hinaus. Frühere Parlamente der zur Comunidad Autonoma Vasca (CAV) zusammengefassten drei baskischen Provinzen, die Stadtverwaltung von Zornotza und über 40 soziale und kulturelle Einrichtungen der Stadt unterstützten die Forderung nach seiner Freilassung.
Ongi etorri, Gatza! Willkommen zuhause!

