09.03.2011 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 8.3.2011)
torturarik ez

Basken erheben Vorwurf der Folter in spanischer Haft. Madrid will »Sortu« verbieten (Foto, GARA 7.3.2011: torturarik ez – Schluss mit Folter).

»Und wenn sie die Folter legalisieren würden?« fragte sich der Redakteur der linken baskischen Tageszeitung Gara, Ramón Sola, in einem Kommentar in der Samstagausgabe. Anlaß für die Frage bot die Meldung aus Madrid, wonach am Freitag ein unter Terrorverdacht verhafteter Baske während der fünftägigen Incomunicado-Haft gleich zweimal ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Spaniens führende Tageszeitung El País beeilte sich mitzuteilen, daß sich das mutmaßliche Mitglied der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) selbst verletzt habe. Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba (PSOE) sekundierte und verkündete, die Polizei habe bis auf einen alle ETA-Anschläge ab 2004 aufgeklärt und das wichtigste noch operative Kommando zerschlagen.

Am gestrigen Montag meldete Gara, daß eine Baskin, die zum selben ETA-Kommando gehören soll, Vergewaltigung im Polizeigewahrsam angezeigt hat. Beide Vorwürfe könnten leicht entkräftet werden, hätte der leitende Untersuchungsrichter Fernando Grande Marlaska die Videoüberwachung dieses speziellen Polizeigewahrsams angeordnet. Aber der Jurist am Sondergericht für Terror- und Drogendelikte, der Audiencia Nacional, verzichtete darauf. Und so steht erneut der Vorwurf im Raum, daß Spanien die Folter systematisch einsetzt, damit die … weiterlesen »

12.03.2011 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 10.3.2011)

Europäischer Gerichtshof verurteilt Madrid wegen unterlassener Untersuchung einer Folteranzeige

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat festgestellt, daß Madrid Grundrechte von potentiellen Folteropfern mißachtet hat. Die Strasbourger Richter verurteilten den spanischen Staat, weil er es unterließ, der Folteranzeige von Aritz Beristain nachzugehen. Der junge Baske kam 2002 wie etliche seiner Freunde in die Isolationshaft, weil die Zivilgarde sie der »Straßenrandale« verdächtigte. Laut Madrider Lesart zählt die »kale borroka« (Straßenkampf) zum Repertoire der ETA, ergo gelten alle Jugendlichen, die Container abfackeln, als Terroristen. Abgeschlossen von der Außenwelt, ohne Kontakt zum Vertrauensanwalt, scheuten die Polizisten keine Mühe, um von Beristain eine belastende Aussage zu erhalten: Sie schlugen ihn, nahmen ihm mit einer über den Kopf gestülpten Plastiktüte die Luft zum Atmen und drohten mit Vergewaltigung. Da Madrid die Vorwürfe nicht untersuchte, bekam Beristain jetzt ein Schadensgeld von 23000 Euro zugesprochen. Für den spanischen Staat ist das die zweite Verurteilung dieser Art seit September 2010, als der EGMR dem politischen Gefangenen Mikel San Argimiro in einem ähnlichen Fall recht gab.

Damit nicht auch die Konzernmedien diesen Foltervorwürfen nachgehen, produziert Madrid des öfteren Polizeiaktionen für die Presse. Eine solche fand z.B. am Dienstag im Nordbaskenland auf französischem Territorium statt. Im Mittelpunkt stand dabei die Festnahme eines Mannes, der laut spanischer … weiterlesen »

Arnaldo Otegi

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Spanien zur Zahlung von 20.000 Eur Entschädigung an Arnaldo Otegi, einen der bekanntesten führenden Persönlichkeiten der baskischen abertzalen Linken, der linken baskischen Unabhängigkeitsbewegung.

Im Jahre 2003 hatte Arnaldo Otegi den spanischen König Juan Carlos als “obersten Chef des spanischen Heeres und damit verantwortlich für die Folterer” bezeichnet. Damals ging die aktuelle Debatte um die Schließung der Zeitung Egunkaria und die schweren Foltervorwürfe, die Martxelo Otamendi, der Direktor der Zeitung, vor dem Parlament der Baskischen Autonomen Gemeinschaft (CAV) gegen die spanische Guardia Civil erhoben hatte. Die Guardia Civil untersteht als Militärpolizei dem König.

Der oberste Gerichtshof verurteilte Arnaldo Otegi zu einem Jahr Gefängnis wegen “des Delikts der schweren Beleidigung des Königs”. Diese Strafe sei überzogen, urteilte nun der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Im Falle von Arnaldo Otegi wiege besonders schwer, dass die “kostbare” Rede- und Meinungsfreiheit eines gewählten Abgeordneten verletzt worden war. Arnaldo Ortegi war damals Sprecher der baskischen Partei Batasuna und Mitglied des baskischen Regionalparlaments der CAV (der Baskischen Autonomen Gemeinschaft, die drei der sieben baskischen Provinzen umfasst).

Das Urteil kommt nur wenige Tage, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dem Basken Aritz Beristain Recht … weiterlesen »

25.03.2011 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 25.3.2011)
Tribunal Supremo

Spaniens Oberstes Gericht (s. Foto) verhindert Sortu-Kandidatur

Spaniens Oberstes Gericht illegalisierte nun auch die neue baskische Linkspartei Sortu (Schaffen). Es handele sich bei ihr um eine Weiterführung der 2003 verbotenen Batasuna (Einheit). Dieses Urteil, das am späten Mittwoch abend in Madrid bekanntgegeben wurde, bestätigt die Baskenland-Politik der sozialdemokratischen PSOE-Regierung von Premier José Luis Rodríguez Zapatero. Diese hatte versprochen, daß keine baskische Partei, die für Sozialismus und Unabhängigkeit eintritt, an den im Mai stattfindenden Kommunal- und Regionalwahlen teilnimmt.

Wenig hat es Sortu genutzt, daß sie sich gleich mehrfach in ihren Parteistatuten von der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) und deren bewaffnetem Kampf distanziert hatte. Dieses unterschied sie zwar von Batasuna, doch reichte das den spanischen Richtern nicht. Diese folgten der Argumentation der Generalstaatsanwaltschaft, wonach dieses Bekenntnis nur dann glaubwürdig wäre, wenn die ETA ihrerseits Sortu abgelehnt hätte.

Die baskische Linke erwägt nun, gegen das Urteil vor dem Verfassungsgericht in Revision zu gehen. Allerdings ist dessen Entscheidung erst nach den Wahlen im Baskenland am 22. Mai zu erwarten. Um eine Kandidatur doch noch realisieren zu können, wird nun erwogen, lokale Listen zu bilden. Doch laufen auch diese Gefahr, verboten zu werden. Letztlich bliebe dann … weiterlesen »

27.03.2011 | Erklärung
Legalisierung jetzt!

Wir treten für das Grundrecht auf politische Beteiligung ein und lehnen Versuche ab, dieses Recht zu beschränken. Das spanische Parteiengesetz hat als Ziel, die abertzale Linke (die baskische linke Unabhängigkeitsbewegung) aus dem politischen Leben auszugrenzen. Es hat sich gezeigt, dass dies nicht machbar ist.

Vor kurzem bewies die abertzale Linke nach einer intensiven politischen Debatte mit der Veröffentlichung der Erklärung „Zutik Euskal Herria – Steh auf Baskenland“ ihren Willen, den politischen Konflikt im Baskenland auf ausschließlich politische und demokratische Weise zu überwinden. Sie ist bereit, eine politische Organisation zu bilden, die in Übereinstimmung mit der oben zitierten Gesetzgebung ist, für den Frieden zu arbeiten und verfolgt als legitimes Ziel ein unabhängiges und sozialistisches Baskenland.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner begrüßen die neue Initiative der abertzalen Linken und ihren klaren Willen, ein für allemal den langen baskischen Konflikt zu überwinden. Auch wir sind der Meinung, dass eine politisch legale Kraft, die diejenigen repräsentiert, die im Baskenland für Unabhängigkeit und Sozialismus eintreten, nicht nur gerechtfertigt, sondern auch nötig ist.

Wir fordern die Verantwortlichen in Spanien auf, die politische Diskriminierung der abertzalen Linken zu beenden und hierfür nicht länger Gesetze zu missbrauchen.

Das Verbot einer … weiterlesen »

Innerhalb von drei Tagen sind im Baskenland elf Personen durch Guardia Civil und französische Polizei verhaftet worden. Im französischen Baskenland wurden am Montag vier Personen und am Mittwoch drei Personen durch die franz. Polizei festgenommen. Die Guardia Civil nahm unterdessen am Dienstag vier Personen in Bilbao fest. Diese sollen Mitglieder eines “legalen” Kommando der ETA sein. Zwei der durch die Guardia Civil Festgenommenen mussten nach der Verhaftung in ein Madrider Krankenhaus gebracht werden. Nach Angaben der Behörden sollen sie sich selbst verletzt haben. Sie befinden sich weiter in Incommunicado Haft.

In Frankreich hat die Polizei am Freitag vier mutmaßliche Mitglieder der ETA verhaftet. Unter den Festgenommenen soll sich auch der Militärchef, Alejandro Zobaran Arriola, und der Sprengstoff-Experte der Organisation, Mikel Oroz Torrea, befinden.
Es ist bereits das siebente Mal in weniger als drei Jahren, daß die Polizei die Führung der ETA festnimmt.
Im Januar hatte die ETA eine dauerhafte Waffenruhe erklärt. Seither wurden rund 30 mutmaßliche Mitglieder der Organisation festgenommen.

Bei einer Konferenz zum Tag der politischen Gefangenen am 19.3. in Berlin wird es auch einen Beitrag und Diskussion zur Bedeutung der Gefangenen-Frage zur Lösung des politischen Konflikts im Baskenland geben. Thema wird auch die Folterpraxis Spaniens sein.
Die von einem Antirepressionsforum gemeinsam mit der Roten Hilfe organisierte Konferenz wird unterstützt von der Tageszeitung junge Welt und EH Lagunak – Freundinnen und Freunde des Baskenlands. Der Tag der politischen Gefangenen jedes Jahr im März hat eine lange Tradition und wurde in den 20er Jahren ausgerufen. Seit Anfang der 90er Jahre gibt es in diesem Zusammenhang wieder bundesweit Veranstaltungen und Aktivitäten für die Freiheit der politischen Gefangenen.
Weitere Informationen zur Konferenz und zum Tag der politischen Gefangenen: www.18maerz.de

Die französische Gendarmerie hat an einer Straßensperre eine Frau festgenommen, bei der es sich um ein mutmaßliches ETA-Mitglied handeln soll. Einer weiteren Person, die mit ihr im Auto saß, gelang dabei die Flucht mit dem Fahrzeug.

ETA hält es für bedeutsam, dass die Regierungen in Madrid und Paris das Angebot der Verifizierung ihres Waffenstillstands vom Januar 2011 durch die internationale Gemeinschaft zurückgewiesen haben. “Sie wollen nicht, dass die internationale Gemeinschaft den allgemeinen und permanenten Waffenstillstand von ETA verifiziert. Sie wollen das nicht, weil trotz der Scheinheiligkeit und der Propaganda, auch auf internationaler Ebene klar ist, dass die einzige Gewalt, die heute in Euskal Herria (im Baskenland) existiert, die Gewalt eben dieser Staaten ist.”

In den letzten Monaten konnte man eine Realität erleben, in der “in Euskal Herria die Gewalt die Namen Menschenrechtsverletzung, Illegalisierung, Verfolgung, Verhaftung und Folter” annimmt.

Trotz dieser Tatsache bekräftigt ETA ihre Entscheidung vom Januar. Da sie für diesen Waffenstillstand nicht mit “offizieller Anerkennung” durch die Regierungen rechnen kann, zeigt ETA ihre Bereitschaft, “einen Mechanismus der informellen Verifizierung zu akzeptieren. ETA hält dies und auch die Konstitution einer internationalen Kommission zur Verifizierung” ihres Waffenstillstands für möglich.

(nach GARA vom 27.3.2011)

Willkommen zu Hause! Seit Montag, den 4. April 2011 sind Gabi Basañez, Walter Wendelin und Unai Vazquez wieder zu Hause im Baskenland bei ihren Familien und Freunden. Alle drei wurden in einer Polizeirazzia gegen die internationalistische baskische Organisation Askapena im September 2010 verhaftet und waren seither im Gefängnis. Ihnen wird vorgeworfen, die Friedensinitiative der abertzalen Linken unterstützt und international dafür geworben zu haben. Am Montag wurden sie auf Kaution entlassen.

Siehe auch: Stellungnahme zur Verhaftung von sieben Askapena Mitgliedern